Meine Seele hat es eilig

ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt,dass ich weniger Zeit habe zu leben,als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat:die ersten isst es mit Vergnügen, aber als es merkt,dass nur noch wenige übrig sind, begann es sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln,Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr mit Mittelmäßigkeit zu kämpfen. Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.

Ich vertragekeine Manipulierer und Opportunisten. Mich stören die Neider, die versuchen,Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Position, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz, um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche,denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen,die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.Menschen,die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig mit der Intensität zu leben,die nur die Reife geben kann. Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die,die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen. Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

Gedicht von Mario de Andrade 1893 – 1945

Dieses Gedicht erhielt ich am Montag als Nachricht einer Freundin bei Whatsapp. Morgens früh als ich die Nachricht erhielt war ich etwas genervt, weil die Nachricht als Kettenbrief ankam und ich von Kettenbriefen immer ziemlich genervt bin und las es nicht. Am Abend nach einem stressigen „ersten Arbeitstag nach dem Urlaub“ las ich mir das Gedicht dann doch durch und war so berührt. Ich begann sofort zu weinen. Meine Bewusstsein begriff die ganze Tragweite und ich konnte meine Seele vernehmen, wie sie laut aufstöhnt vor lauter Sehnsucht auf das Leben. Soviel ist ungelebt und die Sehnsucht ist da. Ja meine Seele hat es auch eilig, sehr eilig sogar.

Die Frau von der ich neulich schrieb, dass man wegen ihrer Krebserkrankung nicht weiß wie lange sie noch lebt ist vor 3 Wochen gestorben. Es hat mich sehr mitgenommen und tief berührt. Seid etwas über einem Jahr habe ich das Gefühl, dass das Leben mich täglich und zunehmend vehement auffordert etwas zu verändern. Sehnsüchte müssen mehr und mehr gelebt werden. Es muss mehr Farbe, mehr Lebendigkeit, mehr Freiheit rein.

Gestern hat Robert Betz ein neues Video auf You Tube veröffentlicht „Trau Dich dem Leben zu vertrauen“. Ehrlich, ich vertraue dem Leben schon viel mehr als ich je für möglich gehalten hätte, aber oft traue ich mich nicht dem Leben zu vertrauen, ganz besonders dann nicht, wenn es große Veränderungen will. Er sprach davon, dass wenn ich bereit bin mich dem Vertrauen auf das Leben zu öffnen sich der nächste Schritt, der anzugehen ist, zeigen wird und wenn wir diesen Schritt gehen, darauf vertrauen, dass auch der folgende Schritt zu erkennen ist auch und auch diesen weiter zu gehen. Ich möchte lernen dem Leben vertrauen, auch wenn ich nicht weiß was kommt und ich möchte die Schritte gehen ohne Kontrollzwang und ohne Angst vor Zeitmangel, Erschöpfung und Schmerzen.

Wie kann ein Mensch der vor über 100 Jahren geboren ist und bereits bei meiner Geburt tot ist, mir trotzdem so aus der Seele sprechen?

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